Mittwoch, 19. März 2014

28 Tage lang von David Safier

Wenn in einem Leben ohne Hoffnung sich ein Mädchen entschließt wieder zu hoffen und zu kämpfen.




David Safier
416 Seiten
Hardcover
Roman bzw. All-Age-Buch
Einzelband
März 2014


Mira lebt in der Hölle. Im Warschauer Ghetto versucht sie sich, ihre Mutter und ihre Schwester durch den harten Alltag dort zu bringen, indem sie Essen aus der polnischen Seite ins Ghetto schmuggelt.
Doch irgendwann wird Mira klar, dass es nicht bei dem "normalen" harten Leben bleiben wird: alle Bewohner des Ghettos sollen deportiert werden. Um ihre Familie zu retten, schließt Mira sich dem Widerstand an und wider Erwarten kann die Gruppe 28 Tage lang gegen die SS standhalten.

28 Tage, die Mira vor die Frage stellen, was sie für ein Mensch sein will. Und auch vor die Frage wem in dieser schwierigen Zeit ihr Herz gehört...

Von David Safier habe ich vor dem Lesen dieses Romans natürlich schonmal etwas gehört, allerdings haben mich seine sehr albern klingenden Bücher nie wirklich angesprochen. Umso erstaunter war ich dann, als ich erfuhr, dass Herr Safier ein Buch zu einem solch ernsten und ganz und gar nicht lustigen Thema veröffentlichen würde.
Die Zeit des Nationalsozialismus finde ich ohnehin sehr spannend, wenn auch sehr bedrückend, deshalb habe ich mich sehr gefreut, als meine Buchhändlerin mir ein LE in die Hand drückte.

Und abschließend kann ich nun auch sagen, dass David Safiers Werk mich sehr beeindruckt, berührt und mitgenommen hat!

Sehr interessant ist schon allein die Thematik. Bücher über Menschen, die in Nazi-Deutschland leben habe ich schon relativ oft gelesen, aber ein Buch über das Warschauer Ghetto und vor allem den Aufstand dort ist mir bis jetzt noch nicht unter die Nase gekommen.
Besonders spannend wurde das ganze dann auch noch, weil die Protagonistin Mira zusätzlich auch noch eine Schmugglerin ist, das heißt im Vergleich zu den anderen Ghettobewohnern in noch größerer Lebensgefahr schwebt.

Mira hat mir als Protagonistin an sich unglaublich gut gefallen! Sie ist sehr realistisch dargestellt: zwar schmuggelt sie und zeigt damit, dass sie durchaus sehr mutig ist, aber sie kümmert sich wirklich nur um ihre Mutter und Schwester und ist nicht eine Art Robin Hood für die Ghettobewohner, was ja auch schlichtweg übertrieben gewesen wäre, wenn man ein Leben führt, das sowieso schon gefährlich genug ist.
Außerdem konnte ich ihre Entscheidungen tatsächlich immer nachvollziehen. Auf den ersten Blick wirkte manches zwar zuerst seltsam oder sinnlos, aber bevor man über Mira urteilt, sollte man sich immer erst klarmachen, dass man als Leser in unserer Zeit sich ihre Situation in keinster Weise vorstellen kann!

Neben Mira gibt es noch eine ganze Reihe von Nebencharakteren, wie zum Beispiel ihre sehr süße kleine Schwester, die sie über alles liebt, ihre Mutter, die durch den Selbstmord ihres Mannes in eine tiefe Depression gestürzt ist, Daniel, Miras Freund oder auch Amos, der beim Widerstand mitmischt.
Sie alle waren auf ihre eigene Art authentisch und klasse ausgearbeitet, auch wenn ich natürlich manche mehr als andere leiden konnte.

Wie ich schon am Anfang erwähnt habe, hatte ich vor diesem Buch noch bis jetzt kein einziges von Herrn Safier gelesen und so war ich doch beeindruckt, dass er nicht nur humoristisch und heiter schreiben kann, sondern es mehr als einmal mit seinem eindringlichen und berührenden Schreibstil geschafft hat, dass mir die eine oder andere Träne über die Wange kullerte.

Jetzt habe ich nur über die Standard-Dinge geredet wie Idee, Protagonistin, Nebencharaktere oder Stil geredet, aber was ich noch unbedingt positiv anmerken muss, ist, dass ich noch einiges über diese Zeit gelernt habe, was mir vorher irgendwie nicht wirklich klar war.
Zum Beispiel habe ich nicht gewusst, dass die polnischen Bürger damals auch so judenfeindlich waren. Für sie waren polnische Juden keine Polen. Wahrscheinlich weiß das irgendwie jeder, aber mir war es nicht klar und ich war ziemlich geschockt.
Eine andere Sache war noch, dass David Safier die Naivität der Leute im Ghetto genial dargestellt hat. Als die ersten Gerüchte einer Deportation im Ghetto auftauchen, hat keiner der Ghettobewohner es geglaubt. Die Menschen waren wirklich der Meinung, sie fahren nur in den Osten, um auf Feldern Erdbeeren zu pflücken.

Hut ab, Herr Safier! Das habe ich wirklich alles nicht erwartet!

Mit "28 Tage lang" ist David Safier ein sehr berührender Roman über Mut, Hoffnung, Freundschaft und Liebe gelungen. Ich habe geweint, gezittert und war voll dabei. Die Protagonistin war genial erdacht und auch die anderen Charaktere konnten mich vollkommen von sich überzeugen.
Ich vergebe mit Freuden 5 von 5 Sternen und ein TOP bekommt dieses Buch auch noch!
  • Chaos-Challenge: Ein Buch mit weniger als 3 Bildelementen auf dem Cover
  • Lies dich rund um den Globus: Nr. 7/194 Polen
  • ABC Challenge: T
  • Task-Challenge: Nebenaufgabe 2
  • Ultimative ABC-Challenge: T bei Titel
  • Feenglanzchallenge: 416 Portionen Feenglanz

Kommentare:

  1. Hallo (;
    Als David Safier -Fan bin ich total begeistert, dass er nun ein völlig anderes Buch herausgebracht hat.
    Ich habs schon auf meiner Wunschliste und deine Rezi hat mich jz noch mehr angestachelt, es so schnell wie möglich zu lesen (;
    Im übrigen sind die anderen Bücher wirklich lustig- ich hab mich anfangs total dagegen gesträubt gehabt.
    Aber bei Mieses Karma musste ich soviel lachen- da war es dann klar, dass ich auch die andern lesen muss (:
    Tolle Rezi,
    Liebste grüße Lole

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  2. Gutes Buch! Kann ich nur empfehlen ;)

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  3. Hi :)

    Das hört sich ja wirklich klasse an. Ich lese die Bücher von David Safier gerne, bisher sprechen seine Bücher ja auf lustige Weise verschiedene Aspekte von Religionen an. Zumindest bei Muh! haben wir ja die Buddisten, denen Kühe heilig sind, in mieses Karma geht es um Reinkarnation und bei Jesus liebt mich stellt er die heutigen Christen in Frage.

    Ich liebe es einfach, dass seine Bücher eigentlich eine leichte Kost sind, aber trotzdem zum Nachdenken anregen. Deshalb würde ich dir die anderen Bücher auf jeden Fall empfehlen. 28 Tage lang landet jetzt auf jeden Fall auf meinem Wunschzettel. :)

    Ganz liebe Grüße,
    Kim

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